Metastudie belegt: Tempo-30-Zonen steigern Verkehrssicherheit in zahlreichen Städten

von Frederik Mallon | 31. März 2026 | Forschung

Kurzgesagt:

Die Metastudie zeigt: Tempo-30-Zonen in Innenstädten steigerten in fast allen Fällen die Verkehrssicherheit deutlich. Die Fahrtzeiten verlängerten sich dagegen kaum.

Studiendetails
Veröffentlicht von:Björn Steiger Stiftung (Stiftung zur Verbesserung der Notfallhilfe)
Autor:innen:Siegfried Brockmann, Yvonne Unger
Methodik:Metastudie
Studie erschien in:steiger-stiftung.de
Veröffentlicht am:08.12.2025
Wissenschaftlicher Titel:Metastudie zur Wirksamkeit von Tempo-30-Zonen

Warum wurde die Studie durchgeführt?

In den letzten 30 Jahren gab es immer mehr Bemühungen, den Autoverkehr innerhalb der Innenstädte zu beruhigen. Das baskische Bilbao ist bereits seit 2020 die erste europäische Großstadt, in der auf allen Straßen Tempo 30 gilt. In Wales gilt seit September 2023 auf Straßen innerorts standardmäßig eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 mph. Höhere Geschwindigkeiten sind nur erlaubt, wenn sie explizit angezeigt werden.

Die österreichische Großstadt Graz hat bereits seit den 1990er Jahren in 80 % der Straßen innerorts Tempo-30-Zonen eingerichtet. In anderen Städten wie Belfast oder Toronto wurden ebenfalls in den letzten Jahren neue Zonen mit reduzierter Geschwindigkeit eingerichtet.

Oftmals folgen auf solche Veränderungen Datenerhebungen oder wissenschaftliche Studien, die die Ergebnisse auswerten. Doch diese Untersuchungen zu Geschwindigkeitsbegrenzungen und deren Wirkung sind in der Regel Einzelfallstudien in einzelnen Städten oder Zonen. Erkenntnisse aus einzelnen Fällen sind nicht immer generalisierbar. Die Björn Steiger-Stiftung beauftragte deshalb nun eine Metastudie, die die Erkenntnisse aus vielen verschiedenen Versuchen vergleichen soll.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Forschenden recherchierten für ihre Metastudie 15 Studien und Berichte aus 10 Städten und Regionen. Außerdem werteten sie für 6 Städte Daten von Behörden und Messunternehmen aus. Alle Daten, Studien und Berichte bezogen sich auf Tempo-30-Zonen (im Vereinigten Königreich: 20 mph).

Ein grundlegendes Problem ist dabei die Vergleichbarkeit der Studien und Berichte. Forschende haben nicht in allen Fällen exakt gleich gearbeitet. Zunächst schon allein deswegen, weil Geschwindigkeitsbegrenzungen überall in anderen Zeiträumen oder in anderem Umfang eingeführt wurden. Aber auch der Schwerpunkt der Studien war unterschiedlich. Manche fokussierten sich auf die Verkehrssicherheit, andere auf die Feinstaubbelastung. Manche Auswertungen legten den Fokus auch stärker darauf, wie sich die Fahrtzeiten veränderten. Ein großer Teil der Arbeit bestand für die Forschenden also darin, die Arbeiten und Daten der anderen zu sichten, ihre Methodik kritisch zu überprüfen und die Aussagekraft einzuordnen.

Zu welchen Ergebnissen und Forderungen kamen die Forschenden?

Die Verkehrssicherheit stieg durch die Einführung der 30er-Zone in fast allen untersuchten Fällen deutlich an. Die Anzahl der Unfälle sank in den meisten Untersuchungen zwischen 8 und 26 %. Einzige Ausnahme war Belfast, wo die Anzahl zwar auch sank, aber in Vergleichen mit Kontrollgruppen festgestellt wurde, dass der Zusammenhang mit der 20 mph-Zone statistisch nicht nachweisbar ist. Die Forschenden sehen als mögliche Erklärung dafür, dass in Belfast selbst vor Einführung der 20 mph-Zone die Durchschnittsgeschwindigkeit unter dieser Schwelle lag.

Dass es dabei nicht nur um den Rückgang von harmlosen Zusammenstößen geht, zeigt auch die Auswertung der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen. In allen untersuchten Fällen gab es einen Rückgang der Leichtverletzten (zwischen 9 und 37 %), Schwerverletzten (16 – 67 %) und Getöteten (12 – 49 %). Außerdem konnte in allen untersuchten Fällen bis auf Wales eine Verringerung von Schadstoff- und Lärmbelastung festgestellt werden.

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Mathematische Modelle haben in der Vergangenheit gezeigt, dass 30er-Zonen entgegen der Intuition sogar für kürzere Fahrtzeiten sorgen könnten. Das liege daran, dass der Verkehrsfluss regelmäßiger sei und Autos in einem engeren Abstand fahren könnten. Tatsächlich kam die Metastudie zu dem Ergebnis, dass das Verkehrsaufkommen zwar in einigen Städten sank. Doch die Fahrtzeiten sanken nicht, sondern blieben gleich oder stiegen in einigen Fällen minimal an. Die Modellannahmen konnten also in dieser Studie nicht bestätigt werden. Allerdings ist der Anstieg der durchschnittlichen Fahrtzeit insgesamt nur sehr gering.

Laut den Forschenden könne „diese Maßnahme als Beispiel dafür gelten, wie mit vergleichsweise geringem Aufwand ein erheblicher Effekt auf die Verkehrssicherheit erzielt werden kann.“ In ihrem Fazit bezeichnen sie Tempo-30-Zonen als „wirkungsvolle[n] Hebel für die Stadtentwicklung“, bleiben aber zunächst vorsichtig mit konkreten Forderungen. Der Leiter der Björn-Steiger-Unfallforschung, welcher die Metastudie betreute, fordert die Politik in einem späteren Interview aber direkt auf, sich konsequenter für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen einzusetzen.

Artikelbild: Daniel Capilla / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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