Kurzgesagt:
Ein ad hominem-Trugschluss greift statt der diskutierten Sache unbegründet die Glaubwürdigkeit einer Person an.
Weitere Quellen und Lektüre zum Thema:
Ausführliche Definition und Funktion:
Ad hominem-Argumente sind zunächst einmal alle Argumente, welche statt der diskutierten Sache die Glaubwürdigkeit oder Zuverlässigkeit einer Person angreifen. Das muss nicht immer ein Trugschluss sein (siehe Abgrenzung), wird aber oft in Debatten missbraucht und kann dann als Desinformations-Strategie eingeordnet werden.
Ein ad hominem-Trugschluss kann dabei an verschiedenen Punkten ansetzen. In manchen Fällen basiert er schlicht auf Lügen über die Person, aus denen heraus dann ihre Glaubwürdigkeit angegriffen wird. In anderen Situationen wird ein zwar wahrer Fakt über die Person (beispielsweise ihr Kleidungsstil) in einen unzulässigen Zusammenhang gestellt (zum Beispiel mit ihren politischen Fähigkeiten). Nicht jeder ad hominem-Trugschluss ist also eine Lüge.
Oft funktionieren ad hominem-Argumente als indirekter Gegenangriff auf ein anderes Argument. Wenn jemand kein sachliches Gegenargument hat, aber das ursprüngliche Argument beispielsweise auf der Arbeit einer Wissenschaftlerin beruht, dann besteht die Funktion des ad hominem-Arguments gegen die Wissenschaftlerin darin, indirekt auch ihre Arbeit und das darauf basierende Argument anzugreifen.
Allerdings können ad hominem-Argumente die Glaubwürdigkeit einer Person auch fälschlicherweise erhöhen. Das funktioniert beispielsweise, indem die eine Seite einer dritten Person, deren Aussagen die eigene Position stärken, eine wissenschaftliche Qualifikation zuspricht, die diese gar nicht hat.
Beispiel
Person A: „Feminismus braucht es heute nicht mehr, Frauen sind doch überall gleichgestellt!“
Person B: „Frauen werden immer noch schlechter bezahlt als Männer, das zeigt die aktuelle Studie von Professorin Schulze!“
Person A: „Das glaube ich nicht. Professorin Schulze hat kurze Haare, sie kann ja gar nicht neutral zu diesem Thema forschen!“
(Situation und Person erfunden)
Dabei handelt es sich um ein typisches ad hominem-Argument. Die Diskussion drehte sich eigentlich um die Frage, ob Frauen tatsächlich überall gleichgestellt sind. Person B vertritt die Position, dass dies nicht so sei, weil Frauen weiterhin schlechter bezahlt würden. Um ihren Standpunkt zu untermauern, zieht sie eine aktuelle Studie heran. Person A, die die Gegenposition vertritt, argumentiert nicht direkt dagegen, sondern greift die Glaubwürdigkeit der Studienautorin an. Dabei bezieht sich Person A allerdings auf das Aussehen der Autorin, welches auf die Qualität ihrer Arbeit keinen Einfluss hat.
Abgrenzung
Nicht jeder persönliche Angriff ist ein ad hominem-Argument. Pure Beleidigungen, die nichts mehr mit der Sache zu tun haben, sind davon zu trennen. Der ad hominem-Trugschluss baut zwar die Begründung über Eigenschaften einer Person auf, steht jedoch immer im Zusammenhang mit einer Sache. Eine pure Beleidigung kann als argumentum ad personam bezeichnet werden (schon Arthur Schopenhauer trennte beide Begriffe klar voneinander).
Umgekehrt gibt es auch Fälle, in denen ad hominem-Argumente legitim sind. Wenn die ganze Argumentation der einen Seite (z.B.: Kläger vor Gericht) auf einer Person beruht (z.B.: Augenzeuge, der das Geschehen beobachtet haben soll) aber ein persönliches Attribut dieser Person das Argument widerlegt (z.B.: Der angebliche Augenzeuge ist blind und kann deswegen gar nicht beobachtet haben), kann die Gegenseite legitim auf dieser Basis die Glaubwürdigkeit der Argumentation angreifen. Das wäre zwar weiterhin ein ad hominem-Argument, aber kein Trugschluss.
Umgang
Taucht in einer Diskussion ein Argument auf, das gegen eine Person gerichtet ist, aber nichts mit der eigentlichen Sache zu tun hat, sollte man das zunächst klar benennen:
„Ich denke nicht, dass Eigenschaft A der Person B etwas mit deren Glaubwürdigkeit in Sache C zu tun hat. Das ist ein ad hominem-Argument, das mit der Sache C nichts zu tun hat“
Man sollte sich dann aber nicht dazu verleiten lassen, zu tief in eine Diskussion über irrelevante Eigenschaften der Person einzusteigen. Stattdessen ist es sinnvoll, den Fokus schnell wieder auf das ursprüngliche Thema zu lenken. Dabei kann man auch explizit darum bitten, sich mehr auf die Sache zu konzentrieren.
Wichtiger Hinweis: In politischen Debatten gehen ad hominem-Argumente manchmal mit persönlichen Angriffen auf das Gegenüber einher. Diese muss man nicht hinnehmen. Bei persönlichen Angriffen ist es immer eine valide Option, das Gespräch abzubrechen.




