Kurzgesagt:
In Teilen von New York City wird seit diesem Jahr eine Fahrzeug-Gebühr erhoben, um den ständigen Stau zu bekämpfen. Eine Studie zeigt nun: Das hat in nur wenigen Monaten messbare Verbesserungen für die Luftqualität gebracht.
Studiendetails
| Veröffentlicht von: | Springer Nature (wissenschaftliche Verlagsgruppe mit Sitz in Deutschland) |
| Autor:innen: | Di Chen, Minghu Ding, Qizhen Sun, Tao Zuzo |
| Methodik: | Modifiziertes Difference-in-Differences |
| Studie erschien in: | npj clean air |
| Veröffentlicht am: | 08.12.2025 |
| Wissenschaftlicher Titel: | A first look into congestion pricing in the United States: PM2.5 impacts after six months of New York City cordon pricing |
Warum wurde die Studie durchgeführt?
Neben seinem Beitrag zur Erderwärmung gibt es auch wegen der Umweltbelastung Kritik am Verkehrssektor. Insbesondere in großen Städten gilt Luftverschmutzung zunehmend als Problem. In immer mehr Städten wurde deshalb in den letzten Jahren eine Staugebühr eingeführt. Dabei wird für einen gewissen Bereich, oft besonders stark befahrene Innenstadt-Viertel, eine Art Maut erhoben. Es kostet also zu gewissen Tageszeiten Geld, in diesen Bereichen zu fahren. Beispiele dafür sind Singapur, Stockholm und London. Seit 2025 gibt es nun auch eine Staugebühr in New York City.
New York City ist damit die erste Großstadt der USA in der Congestion Pricing eingeführt wird. Die Gebühr muss einmal täglich gezahlt werden, dabei gilt tagsüber eine höhere Gebühr als nachts. Die genaue Höhe der Gebühr hängt vom konkreten Transportmittel ab. Dabei wird die Gebühr bislang nur für den Teil Manhattans südlich des Central Parks erhoben, wie auf der Karte der Metropolitan Transportation Authority zu sehen ist:

Diese Zone soll den Verkehr reduzieren und zusätzliche Einnahmen für den ÖPNV generieren. Ein erhoffter Nebeneffekt könnte dabei der Rückgang der Luftverschmutzung in New York sein. Wie gut es wirklich funktioniert hat, untersuchte nun eine Studie für die ersten Monate nach Start der Zone.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie basiert auf der Auswertung einer großen Menge an Daten. Diese bestehen aus täglichen Spitzenwerten von PM2,5 -Feinstaub in 42 Stationen in ganz New York City und der näheren Umgebung vom 1. Januar 2024 bis zum 30. Juni 2025 – also sowohl bevor die Preise eingeführt wurden als auch danach. Dabei lagen 6 Stationen innerhalb der Staugebühr-Zone, 23 im Rest der Stadt und 13 in der Metropolregion von New York, also im direkten Umfeld der Stadt.
Das Problem, vor dem sie standen: Die Staugebühr-Zone ist natürlich nur rechtlich gesehen ein eigener Bereich. Die Luftverschmutzung hält aber nicht an den Grenzen der Zone an. Um zumindest simulieren zu können, wie es in einem New York ohne Staugebühren aussehen würde, entwickelten die Forschenden ein kontrafaktisches Modell der Luftqualität. Bei der Entwicklung einer theoretischen, alternativen Realität in einem New York ohne Staugebühren berücksichtigten die Forschenden verschiedene Variablen wie die generelle Luftbelastung (auch unabhängig vom Straßenverkehr), das Wetter und Daten zur Bevölkerung (um schätzen zu können, wie viele Menschen normalerweise mit dem Auto fahren würden).
So können sie beurteilen: Gibt es einen Unterschied zwischen der Luftqualität in der Zone und außerhalb der Zone UND ob dieser Unterschied tatsächlich auf die Staugebühr zurückzuführen ist. Andernfalls könnte es auch sein, dass zwar ein Unterschied festgestellt wird, dieser aber beispielsweise auf eine besondere Wetterlage, Bevölkerungsrückgang oder ganz andere Effekte zurückzuführen ist. Diese Gefahr wird durch das Modell deutlich reduziert.
Zu welchen Ergebnissen kamen die Forschenden?
Tatsächlich stellten die Forschenden einen besonders starken Rückgang der Feinstaubbelastung in der Zone fest. Der durchschnittliche Rückgang liegt bei über 3 μg/m3 , das bedeutet ~22 % weniger Feinstaub als es im Modell-Szenario ohne die Staugebühr gegeben hätte. Der Effekt ist außerdem nicht auf die Staugebühr-Zone selbst begrenzt: Auch im Rest der Stadt (-1,1 μg/m³) und selbst in der weiteren Metropolregion (-0,7 μg/m³) stellten die Forschenden einen geringeren, aber statistisch signifikanten Rückgang fest.
Außerhalb der Zone gab es zwar an einigen Messstellen Schwankungen, weil Fahrzeuge Umleitungen durch andere Gebiete fahren, um die Staugebühr-Zone zu umgehen. So zeigte eine Station in der Bronx (außerhalb der Zone) sogar einen leichten Anstieg im März nach der Einführung der Staugebühr. Insgesamt zeigt die Studie dennoch keine Verschiebung der Luftverschmutzung, sondern eine Verringerung im ganzen Stadtgebiet.
Eine weitere wichtige Beobachtung, die die Forschenden quasi nebenbei machten: Der Rückgang der Feinstaubbelastung innerhalb der Staugebühr-Zone fiel Woche für Woche stärker aus. Es könnte also sein, dass die Luftverschmutzung mit der Zeit noch stärker zurückgeht, weil immer mehr Menschen in New York sich an die Staugebühr-Zone anpassen.
Die Forschenden merken dabei selbst an, dass die Auswertung nur die ersten sechs Monate umfasst und in Zukunft weitere Untersuchungen und Analysen notwendig sind, um einschätzen zu können, was die langfristigen Effekte der Gebühr sind.
Welche Empfehlungen richten die Forschenden an die Politik?
Die Forschenden betonen in ihrem Fazit, dass es wichtig ist, die Einnahmen aus den Gebühren klug einzusetzen. Sie empfehlen, den Nahverkehr in den Außenbezirken auszubauen und Ticketpreise zu subventionieren, um Menschen zu motivieren, langfristig auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.
Außerdem sehen die Forschenden noch viel Potential beim Güter- und Lieferverkehr. Sie empfehlen explizit Anreize für emissionsarmen Lieferverkehr, abgestimmte Lieferzeiten und bei Bedarf dynamische Anpassung der Regelungen. Sie fordern generell die Stadtpolitik dazu auf, regelmäßig den Effekt der Staugebühr zu analysieren und die Maßnahme entsprechend zu aktualisieren.
Abschließend ordnen die Forschenden ihre Studie als Beleg dafür ein, dass die Einführung einer Staugebühr wie in New York City auch in anderen dicht besiedelten Großstädten helfen kann, die Luftverschmutzung zu reduzieren.
Artikelbild: Wikimedia Commons/User: dllu, Lizenz: CC BY-SA 4.0




