Kurzgesagt:
Eine in Norwegen durchgeführte Studie zeigt, dass eine kostenlose Mitgliedschaft im Fitnessstudio zu signifikant besseren Prüfungsergebnissen und weniger Abbrüchen von Kursen führt.
Studiendetails
| Veröffentlicht von: | University of Chicago |
| Autor:innen: | Alexander W. Cappelen, Gary Charness, Mathias Ekström, Uri Gneezy, Bertil Tungodden |
| Methodik: | Randomisiertes kontrolliertes Feldexperiment |
| Studie erschien in: | Journal of Political Economy |
| Veröffentlicht am: | 07.11.2025 |
| Wissenschaftlicher Titel: | Exercise Improves Academic Performance |
Warum wurde die Studie durchgeführt?
Der OECD-Gesundheitsbericht von 2025 zeigt, dass viele Menschen deutlich zu wenig körperliche Bewegung im Alltag haben. Davon sind insbesondere Kinder betroffen: Nur 15 % der 15-Jährigen erreichen demnach die von der WHO herausgegebenen täglichen Bewegungs-Ziele. Neben direkten gesundheitlichen Problemen könnte dies auch Auswirkungen auf die Leistungen beim Lernen und damit in der Schule oder Universität haben. Zumindest weisen darauf einige Studien der letzten Jahre hin, die sich mit dem Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und Lernleistung beschäftigt haben.
Ob es aber einen direkten Zusammenhang zwischen Fitness und konkreter Verbesserung der Leistung in Schule oder Uni gibt, wurde bislang wenig untersucht. Die Forschenden haben sich deshalb in der Studie vorgenommen, an einem möglichst realitätsnahen Beispiel zu untersuchen, ob ein Effekt messbar ist, wenn man es Studierenden erleichtert, sich körperlich zu betätigen.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Dazu haben die Forschenden einen Versuch mit hunderten Studierenden aus verschiedenen Studiengängen von zwei Hochschulen in Bergen (Norwegen) gestartet. Anfang Februar, zu Beginn der Vorlesungszeit, warben sie rund 780 Teilnehmende an. Die Teilnehmenden wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Mitglieder einer Gruppe erhielten eine kostenlose Mitgliedschaft im Fitnessstudio, die übrigen als Kontrollgruppe nicht. Außerdem wurden alle Teilnehmenden am Beginn des Versuchs zu verschiedenen Themen betreffend ihres generellen Lebensstils, wie viel sie lernen sowie wie glücklich und selbstkontrolliert sie sich einschätzen, befragt.
Die Forschenden sammelten dann im Laufe des Semesters Daten darüber, wie oft die Teilnehmenden im Fitnessstudio waren, an welchen Prüfungen sie teilgenommen und wie sie dabei abgeschnitten haben. Mitte Mai, als die Prüfungsphase begann, wurden alle Teilnehmenden erneut zu den Themen befragt, die sie schon zu Beginn des Semesters einmal beantwortet hatten.
Die Forschenden konnten somit einerseits harte Daten vergleichen (Anzahl der Fitnessstudio-Besuche, Lernzeit, Abschneiden bei den Prüfungen), andererseits auch Veränderungen in der Selbsteinschätzung messen.
Zu welchen Ergebnissen und Forderungen kamen die Forschenden?
Zunächst stellten die Forschenden fest, dass die Studierenden mit einer kostenlosen Mitgliedschaft im Fitnessstudio im Schnitt deutlich öfter ins Fitnessstudio gingen als die Teilnehmenden der Kontrollgruppe (im Schnitt 7,5 Besuche gegenüber 1,8). Dieser Befund ist wenig überraschend, allerdings unterstützt er die Annahme der Forschenden, dass finanzielle Bedenken zu den Gründen zählen, die die Studierenden vom regelmäßigen Trainieren abhalten.
Das noch wichtigere Ergebnis der Studie betraf aber die Prüfungsergebnisse. Die Forschenden fanden einen zwar kleinen, aber statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen kostenloser Mitgliedschaft im Fitnessstudio und bestandenen Prüfungen. Die größte statistische Verbesserung erzielten die Studierenden, die rund zwei Mal pro Woche trainieren gingen.
Außerdem wurde aus den Befragungen deutlich, dass diejenigen Studierenden mit Mitgliedschaft auch ihren eigenen Lebensstil und ihre Selbstkontrolle als verbessert einschätzten. Besonders stark fiel die Verbesserung der Leistung bei Studierenden aus, die vor Beginn des Versuchs beim eigenen Lebensstil, Selbstkontrolle, Zufriedenheit und Lernintensität unterdurchschnittlich abgeschnitten hatten. Die Forschenden folgern, dass die Verbesserung der Lernergebnisse vor allem mit der besseren Selbstdisziplin und dem produktiveren Lebensstil zu begründen ist.
Die Forschenden halten sich zwar mit konkreten Forderungen an die Politik zurück. Sie sehen jedoch als Ergebnis ihrer Studie das Abschaffen finanzieller Hürden als „key strategy for reaching low socioeconomic status parents“. Die Studie weist also darauf hin, dass finanzielle Unterstützung von sportlichen Aktivitäten ein effektiver Weg sein könnte, benachteiligte Studierende zu fördern. Eine solche Förderung würde nicht nur ihre Fitness und Gesundheit, sondern auch ihre akademischen Leistungen verbessern.
Artikelbild: canva.com




