Studie: Wie Solarparks Hummeln retten könnten

von Frederik Mallon | 26. Nov. 2025 | Forschung

Kurzgesagt:

Vom Insektensterben sind auch Hummeln betroffen. Eine Studie zeigte nun, wie Solarparks die Ausbreitung intensiver Landwirtschaft eindämmen und damit unerwartet zum Hummelschutz beitragen könnten.

Studiendetails
Veröffentlicht von:Wiley (US-amerikanischer Wissenschaftsverlag)
Autor:innen:Hollie Blaydes, Emma Gardner, J. Duncan Whyatt, Simon G. Potts, Robert Dunford-Brown, John W. Redhead, Alona Armstrong
Methodik:Modellierte Landschaften der Zukunft
Studie erschien in:Global Change Biology
Veröffentlicht am:08.10.2025
Wissenschaftlicher Titel:Solar Farms as Potential Future Refuges for Bumblebees

Warum wurde die Studie durchgeführt?

Der Klimawandel ist einer der größten Faktoren für den Rückgang der Artenvielfalt. Um den Klimawandel auszubremsen, müssen die Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid stark reduziert werden. Eine zentrale Strategie dafür ist der Ausbau von erneuerbaren Energien, beispielsweise von Solarparks. Diese benötigen viel Platz, oft muss natürliche Vegetation weichen. Auch das kann wiederum der Artenvielfalt schaden – scheinbar ein Teufelskreis.

In den letzten Jahren haben sich Forschende deshalb vermehrt der Frage zugewendet: Welchen Einfluss hat der Ausbau erneuerbarer Energien auf die Artenvielfalt vor Ort? Die Ergebnisse waren dabei teilweise überraschend: Für gewisse Insekten, die für die Bestäubung vieler Pflanzen notwendig sind, können große Solarparks sogar vorteilhaft sein. Diese Studie hier hat sich genauer mit den Auswirkungen auf Hummeln von heute bis 2050 beschäftigt.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Für ihre Studie haben sich die Forschenden zunächst alle Solarparks in ihrem Untersuchungsgebiet Großbritannien aus einer Datenbank geladen und deren Fläche auf einer Karte digitalisiert. Der nächste Schritt war jedoch kompliziert. Denn wie kann man vorhersagen, wie sich Natur und Hummelpopulationen in diesen Solarparks verändern werden? Die Welt wird schließlich 2050 ganz anders aussehen als heute.

Dafür nutzten sie die sogenannten UK-RCP-SSP-Karten. Diese liefern wissenschaftlich fundierte Vorhersagen dazu, wie die Landschaft 2050 aussieht – allerdings nur grob in einem 1-Kilometer-Raster. Durch Kombination mit detaillierten heutigen Karten konnte dieses Raster in einem hochkomplexen Prozess auf 10 Meter verfeinert werden. So entstehen zwar keine exakten Vorhersagen einzelner Hecken oder Wege, aber fein aufgelöste Versionen der künftigen Landschaft, die die Trends der jeweiligen Zukunftsszenarien widerspiegeln.

Basierend auf diesen detaillierten Karten konnten nun sowohl für die Gegenwart als auch für 2050 Szenarien simuliert werden, wie viele Hummeln auf den verschiedenen Flächen leben. Das Modell dahinter berechnet, wie viele Nester und Hummeln sich in einer Landschaft ansiedeln können – abhängig davon, wie viel Nahrung und Nistmöglichkeiten dort vorhanden sind. Wenn ein Zukunftsszenario beispielsweise mehr blütenreiche Wiesen vorsieht, steigt in der Simulation die Wahrscheinlichkeit, dass dort Hummelnester entstehen.

Zu welchen Ergebnissen und Forderungen kamen die Forschenden?

Tatsächlich können Solarparks laut dieser Studie dazu beitragen, dass die Population an Hummeln vor Ort wächst. Das liegt allerdings nicht an den Solarmodulen selbst. Die prognostizierte Erholung der Hummelbestände ist eher ein Nebeneffekt. Denn die Flächen rund um Solaranlagen werden in der Regel nicht intensiv landwirtschaftlich genutzt – und hier liegt der Vorteil.

Felder mit starker landwirtschaftlicher Nutzung sind keine gute Grundlage für Hummelkolonien. Sie bieten wenige Blüten, werden häufig gemäht und sorgen für schlechte Nistbedingungen. Ein weiterer Nachteil ist auch das regelmäßige Umpflügen. Da Hummeln oft im Boden leben, werden ihre Nester dadurch zerstört.

Im Umfeld von Solarparks können dagegen bessere Bedingungen für Hummeln entstehen, weil die Flächen nicht (mehr) intensiv bewirtschaftet werden. An dieser Stelle betonen die Forschenden, dass der positive Effekt aber fast nur dort auftritt, wo Solarparks blütenreiche Randbereiche und extensives Grünland zulassen. Dafür ist ein gezieltes Management der Solarparks notwendig. Wenn die Flächen rund um die Solarparks regelmäßig gemäht werden und wenig Artenvielfalt entstehen darf, ergibt sich kaum ein Vorteil für Hummeln.

Artikelbild: canva.com, Collage: Prüfpunkt

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