Bericht: Immer mehr Staaten entkoppeln Wirtschaftswachstum von CO₂-Emissionen

von Frederik Mallon | 11. März 2026 | Forschung

Kurzgesagt:

Der Bericht zeigt, dass immer mehr Ländern Wirtschaftswachstum gelingt ohne, dass ihre Treibhausgas-Emissionen weiter steigern. Demnach sind Klimaschutz und Wirtschaftswachstum global kein zwingender Widerspruch mehr.

Bericht im Detail
Veröffentlicht von:Energy & Climate Intelligence Unit (britischer Energy- und Klima-Thinktank)
Autor:innen:-
Methodik:Index der Entkopplung
Bericht erschien in:eciu.net
Veröffentlicht am:11.12.2025
Wissenschaftlicher Titel:10 Years Post-Paris: How emissions decoupling has progressed globally

Warum wurde hier geforscht?

In Debatten über Klimaschutz taucht oft das Argument des Wirtschaftswachstums auf. Unabhängig von ihrer Haltung zum Thema Klimaschutz nehmen viele Menschen automatisch an, dass starke Investitionen in den Klimaschutz zu stagnierender oder gar schrumpfender Wirtschaft führen können. In den letzten Jahren war das wirtschaftliche Wachstum einzelner Länder, wie beispielsweise Indiens, bereits deutlich weniger von fossilen Brennstoffen bestimmt als es bei früheren Beispielen wie China der Fall war. Doch sind das nur einzelne Beispiele oder beobachten wir hier eine Trendwende? Kann Wirtschaftswachstum auch ohne Anstieg der Emissionen gelingen? Um die Fragen zu beantworten, haben Forschende in diesem Bericht den Blick auf die ganze Welt ausgedehnt.

Wie wurde geforscht?

Dazu nutzten die Forschenden Daten zum CO₂-Ausstoß der Länder aus dem Global Carbon Budget Report 2025 und Daten zur Wirtschaftsleistung von der Weltbank. Die aktuellen Daten kombinierten sie mit den Zahlen aus älteren Jahren. So konnten sie eine Übersicht erstellen, die die Entwicklung von Wirtschaftswachstum und Emissionen von 2006 bis 2023 weltweit nach den einzelnen Staaten aufschlüsselt. Dieser lange Zeitraum ist nötig, um das Risiko zu senken, dass einzelne Ausreißer das Gesamtbild verzerren.

Wichtig dabei: Die Forschenden beachteten offshored emissions. Das bedeutet: Emissionen, die durch Importe aus anderen Ländern „verschoben“ wurden, werden dem Import-Land angerechnet. Wenn also beispielsweise jemand in Deutschland ein Produkt kauft, bei dessen Herstellung Emissionen in Bangladesch entstanden, dann werden diese Emissionen trotzdem Deutschland angerechnet.

Die Forschenden berechneten im nächsten Schritt einen sogenannten Decoupling Index für zwei Zeiträume: 2006-2015 (bis zum Pariser Klimaschutzabkommen) und 2015-2023 (seit dem Pariser Klimaschutzabkommen). Dieser Index ist einfach nur Mathematik. Zunächst wird das Wachstum der Wirtschaftsleistung von Start- bis Endjahr berechnet, dann die Veränderung der Emissionen zwischen beiden Zeitpunkten. Und schließlich setzten die Forschenden beide Zahlen ins Verhältnis zueinander. Daraus können dann sechs Fälle entstehen:

Interessant ist im Ergebnis: Wie viele Länder fallen für die beobachteten Zeiträume in welche Kategorie? Und welchen Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung bzw. den weltweiten Emissionen haben diese Länder?

Zu welchen Ergebnissen kamen die Forschenden?

Das zentrale Ergebnis der Forschenden: Der Fall von wachsender Wirtschaft, aber schneller steigenden Emissionen, der in politischen Debatten regelmäßig angenommen wird, ist in der Realität die Ausnahme. Nur 27 der untersuchten Länder fielen im Zeitraum seit 2015 unter diese Kategorie. Davon waren die meisten sehr kleine Staaten, sodass sie insgesamt nur 3,8 % der weltweiten Wirtschaftsleistung und 3,1 % der weltweiten Emissionen ausmachen.

Im selben Zeitraum gelang 43 Staaten (mit 46,3 % der weltweiten Wirtschaftsleistung) eine absolute Entkopplung, also wachsende Wirtschaft mit sinkenden Emissionen. Dazu gehörten unter anderem Deutschland, Polen, die USA, Kamerun, Mexiko und Kasachstan. In weiteren 40 Staaten (46 % der weltweiten Wirtschaftsleistung) wurde eine relative Entkopplung festgestellt. In diesen Staaten sanken die Emissionen zwar nicht, doch die Wirtschaft wuchs schneller als die CO₂-Emissionen.

Was bedeutet das?

In den meisten Staaten der Welt mit in Summe über 92 % der globalen Wirtschaftsleistung sind steigende Emissionen kein unvermeidlicher Begleiter von Wirtschaftswachstum mehr. Knapp die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung erzeugen sogar Staaten, in denen die Emissionen sinken und die Wirtschaft weiter wächst. Diese Zahlen stellen auch eine Verbesserung zum Zeitraum vor dem Pariser Klimaschutzabkommen (2006-2015) dar. Doch auch hier vereinigten die Staaten mit absolut oder relativ entkoppeltem Wachstum schon 77 % der weltweiten Wirtschaftsleistung auf sich.

Wichtig ist dabei zu beachten: Das bedeutet nicht, dass all diese Staaten sinkende Emissionen aufweisen (das trifft jeweils grob auf die Hälfte zu). Doch auch in den Staaten mit noch steigenden Emissionen wuchs die Wirtschaft überproportional schneller als der Ausstoß von Treibhausgasen. Es ist genau diese Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen, die die Forschenden untersucht haben!

Artikelbild: canva.com

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