Kurz-Def.:
Statt sich mit dem Argument des Gegenübers auseinanderzusetzen, wird ein “Strohmann” erfunden und angegriffen.
Ausführliche Definition:
Der “Strohmann” ist eine weit verbreitete Technik der Desinformation. Dabei wird in einer Diskussion nicht auf das Argument der Gegenseite eingegangen, sondern ein “Strohmann” aufgebaut; es wird also der Gegenseite eine Position oder eine Argumentation zugeschrieben, welche diese gar nicht vertritt und dann diese angebliche Haltung angegriffen, widerlegt oder entwertet.
Funktion:
Das Strohmann-Argument erfreut sich unter Desinformations-Verbreiter:innen großer Beliebtheit, weil man damit sowohl von eigenen Schwachstellen und unangenehmen Themen ablenken kann, als auch der Gegenseite Fehler und Schwächen unterstellen kann, die diese gar nicht hat. Besonders effektiv ist das Strohmann-Argument, wenn es dazu führt, dass die Gegenseite sich genötigt sieht, auch diesen Strohmann zu verteidigen, selbst wenn es ursprünglich gar nicht das eigene Argument war. So können Desinformations-Verbreiter:innen die Kontrolle über den Diskurs erlangen und die Gegenseite in die Defensive drängen und darüber hinaus weiter zur Polarisierung einer Debatte beitragen.
Beispiel:
In einer Debatte zum Thema Klimaschutz geht es darum, bis wann Deutschland aus der Kohleverstromung ausgestiegen sein sollte. Ein Diskursteilnehmer hat das Interesse, diese Debatte entgleisen zu lassen und baut deswegen folgendes Strohmann-Argument auf:
“Deutschland kann den Klimawandel doch gar nicht allein aufhalten!”
Es wird damit der Gegenseite unterstellt, dass ihre Position wäre, Deutschland könne allein den Klimawandel aufhalten. Diese Position hat die Gegenseite zwar nie eingenommen und es reißt auch eine andere Debatte an (nämlich die globale Verteilung der Verantwortung für die Klimakrise), doch damit wird die Gegenseite dazu gedrängt, sich dazu zu positionieren. Gleichzeitig wird die Position der Gegenseite lächerlich gemacht (der scheinbar naive Glaube, allein Deutschland könne die ganze Welt retten, wird unterstellt) und von der eigentlich sachlichen Debatte über den Zeitpunkt des Kohleausstiegs abgelenkt.
Umgang:
Hat man den Verdacht, dass ein Strohmann-Argument in einer Debatte eingesetzt wird, ist es wichtig, umso bestimmte beim ursprünglichen Thema zu bleiben und zu bekräftigen, worum es eigentlich in der Debatte ging. Falls das Gegenüber in einer Diskussion immer wieder versucht abzulenken, kann es auch sinnvoll sein, explizit darauf hinzuweisen, dass man diese Argumentation für ein Ablenkungsmanöver hält. Auf keinen Fall sollte man sich darauf einlassen, den Strohmann verbissen zu verteidigen, denn genau darauf zielt die Strategie ab.




