Kurzgesagt:
Die Herstellung von Batterien für E-Autos stößt Treibhausgase aus – dennoch sind die E-Autos insgesamt deutlich besser fürs Klima als Verbrenner, bestätigten Forscher:innen nun.
Studiendetails
| Veröffentlicht von: | International Council on Clean Transportation (ICCT) |
| Autor:innen: | Marta Negri, Georg Bieker |
| Methodik: | Lebenszyklusanalyse verschiedener Autotypen |
| Studie erschien in: | online (ICCT-Website) |
| Veröffentlicht am: | 08.07.2025 |
| Wissenschaftlicher Titel: | Life-cycle greenhouse gas emissions from passenger cars in the European Union: A 2025 update and key factors to consider |
Warum wurde die Studie durchgeführt?
Es ist Konsens in der Wissenschaft, dass der Klimawandel von Treibhausgasen angeheizt wird, die wir Menschen ausstoßen. Nach dem Verbrauch fürs Wohnen ist der Straßenverkehr der Bereich mit dem zweithöchsten Ausstoß an Treibhausgasen (Stand: 2021). Deshalb wird viel daran geforscht, wie der Straßenverkehr klimafreundlicher werden könnte.
Natürlich wäre eine naheliegende Lösung, möglichst gar keinen Straßenverkehr mehr zu haben und den Transport von Menschen und Gütern auf die Schiene zu verlegen. Allerdings wird es in absehbarer Zeit realistisch gesehen nicht dazu kommen, dass der Straßenverkehr drastisch genug zurückgeht. Deshalb interessieren sich viele Forscher:innen aktuell auch dafür, wie der Autoverkehr selbst klimafreundlicher werden kann. Oft wird dabei über Elektroautos diskutiert. Sie haben den großen Vorteil, dass sie keine Abgase ausstoßen, da sie ja keinen Verbrennungsmotor haben. Beim Fahren sind Elektroautos also von Natur aus deutlich klimafreundlicher. Allerdings sind auch Elektroautos nicht komplett klimaneutral.
Das liegt vor allem daran, dass auch Elektroautos erst einmal gebaut werden müssen. In der Herstellung des Fahrzeugs an sich, also der Reifen, Karosserie usw., unterscheidet sich das nicht groß von Verbrennern. Einen Nachteil haben Elektroautos aber: Sie brauchen eine sehr leistungsfähige Batterie, um sie über eine längere Fahrtzeit mit Strom zu versorgen. Und bei der Herstellung dieser Batterie wird einiges an Treibhausgasen ausgestoßen.
Obwohl es bislang keinen Beleg gibt, dass dieser höhere Verbrauch durch die Herstellung der Batterie dem Ausstoß beim Fahren auch nur ansatzweise gleichkommt, wird dieses Argument oft in Debatten gegen Elektroautos angebracht. Wissenschaftler:innen haben sich deshalb jetzt einmal genau angeschaut, wie das Elektroauto wirklich gegen Verbrenner abschneidet, wenn man sich das Gesamtbild anschaut.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Um die verschiedenen Arten von Autos vergleichbar zu machen, haben die Forscher:innen ihre gesamten Treibhausgasemissionen auf den Kilometer heruntergerechnet. Im Klartext haben sie also gefragt: “Wenn ich einen Kilometer mit diesem Autotyp fahre, wie viele CO₂-Äquivalente habe ich dann ausgestoßen?”
Dabei haben sie aber eben nicht nur auf das geachtet, was während dieses Kilometers tatsächlich aus dem Auspuff kam (oder auch nicht kam, im Falle der Elektroautos). Stattdessen haben sie sich auch angeschaut, wie viel Treibhausgase bei der Produktion des Treibstoffs für einen Kilometer (Verbrenner) beziehungsweise des Stroms für einen Kilometer (Elektroauto) ausgestoßen werden.
Aber der vermutlich komplizierteste Schritt fehlt noch: Wenn man wissen will, wie sich die Herstellung von Auto bzw. Batterie auf die Emissionen auswirken, muss man ein bisschen mehr rechnen. Diese Emissionen fallen ja aber nur einmal, ganz am Anfang an. Die Forscher:innen haben deshalb die durchschnittliche Anzahl an Kilometern, die ein Auto insgesamt zurücklegt, berechnet. Die Anfangsemissionen von Batterie, Karosserie und so weiter wurden dann durch die Kilometerzahl geteilt. Somit konnten die Forscher:innen simulieren, wie viel dieser Anfangsemissionen theoretisch “pro Kilometer” anfällt.
Zu welchen Ergebnissen kamen die Forschenden?
Das entscheidende Ergebnis: E-Autos haben am Ende ihrer “Lebenszeit” pro Kilometer nur gut ein Viertel (63g) an Treibhausgasen ausgestoßen, wenn man sie mit Benzinern (235g) oder Dieselwagen (234g) vergleicht. Auch Plug-in-Hybride (163 g) können nicht mithalten. Wasserstoffautos könnten ähnliche oder sogar bessere Werte erzielen (bis 50 g), wenn sie komplett mit grünem Wasserstoff versorgt würden. Das ist allerdings in Europa aktuell nicht in großer Menge möglich.
Wie kommt es, dass das Elektroauto in der Studie so viel besser abschneidet? Tatsächlich sind die Anfangsemissionen der Elektroautos etwas höher, sie werden, wie vermutet, von der Batterie hochgezogen. Allerdings ist der Vorteil der Elektroautos, beim Fahren kaum Treibhausgase auszustoßen, so groß, dass sie schon nach den ersten 17.000km die Verbrenner einholen – also nach ein bis zwei Jahren gewöhnlicher Nutzung.
Übrigens: Die Zahlen basieren auf Berechnungen, die die Forscher:innen für Autos vorgenommen haben, die 2025 in Dienst gestellt werden und bis 2044 fahren. Das ist gerade für die Elektroautos relevant – denn wie klimaneutral sie sind, hängt stark davon ab, wie ihr Strom produziert wird. Die Forscher:innen haben das auf dem Schirm und deswegen den Ausstoß für die Stromproduktion so berechnet, wie Prognosen die Entwicklung des Strommixes für Europa 2025-2044 vorhersagen. Sie haben aber auch berechnet, wie es aussehen könnte, wenn ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung stünde: Dann würde der Ausstoß weiter sinken (von 63 auf 52 g pro km).




