Desinformations-Strategien #2: Der Whataboutismus

von | 20. Jan. 2026 | Desinformation

Kurz-Def.:

Statt sich mit einer Kritik auseinanderzusetzen, lenkt der Whataboutismus gezielt auf ein anderes Thema ab.

Ausführliche Definition:

Der Whataboutismus ist eine Technik der Desinformation, bei der von einer direkten Kritik abgelenkt wird, indem auf jemand anderen, der auch Fehler begangen oder unmoralisch gehandelt hat, verwiesen wird. Dabei werden oft buchstäblich die Worte „Was ist mit…“ (englisch: „What about…“, daher Whataboutismus) verwendet. Natürlich gibt es aber auch viele andere ähnliche Formulierungen, die die Funktion eines Whataboutismus haben.

Gleichzeitig ist allerdings nicht jede Frage, die auf ein bisher nicht diskutiertes Thema hinweist, auch ein Whataboutismus. Entscheidend ist die Absicht dahinter, mit dieser Frage von einer Kritik oder einem Missstand in der eigenen Verantwortung abzulenken.

Funktion:

Oft werden Whataboutismen dazu genutzt, um von einer eigenen Verantwortung oder Schuld damit abzulenken, dass andere ebenfalls schlechte oder sogar noch schlimmere Dinge getan haben. Manche räumen im Zuge eines Whataboutismus auch großzügig ein, selbst Fehler begangen zu haben. Die Technik dient aber dazu, dann doch auf die scheinbar größeren Vergehen anderer abzulenken.

Das Ziel der Desinformationstechnik ist es, zu vermeiden, sich selbst ernsthaft mit der Kritik auseinandersetzen zu müssen. Außerdem kann man somit dem Gegenüber Doppelmoral unterstellen, was die eigene Schuld scheinbar relativiert. Insbesondere in Situationen, in denen man mit einem Vorwurf konfrontiert ist, der tatsächlich schwer wiegt und kaum zu entkräften ist, sorgen Whataboutismen für Entlastung. 

Autoritäre Regierungen verwenden den Whataboutismus gern, um von vorgeworfenen Problemen wie Menschenrechtsverletzungen abzulenken, indem sie Probleme anderer Staaten ansprechen. Das ändert nichts an der Lage im eigenen Land, kann aber die öffentliche Aufmerksamkeit ablenken und damit Kritik vermeiden. Allerdings treten ähnliche Argumentationsstrategien auch in demokratischen Staaten regelmäßig auf.

Beispiel

In Diskussionen über den Klimawandel wird auf den Hinweis, dass Deutschland historisch überdurchschnittlich viel CO2 ausgestoßen hat, oft mit folgendem Whataboutismus gekontert:

„Aber was ist mit China? Das hat einen viel höheren CO2-Ausstoß. Weil China nichts macht, ist es komplett egal was wir machen!“

Abgesehen davon, dass dasArgument inhaltlich auf falschen Annahmen beruht, lenkt es auch rhetorisch im Stil eines Whataboutismus von der eigentlichen Kritik am überdurchschnittlichen CO₂-Ausstoß Deutschlands ab.

Umgang

Wenn man in der Diskussion einem Whataboutismus begegnet, ist der beste Umgang, direkt zu sagen, dass man beim Thema bleiben möchte. Falls der Ablenkungsversuch mit faktisch falschen Aussagen vorgenommen wird und man spontan eine Widerlegung kennt, kann man diesen auch widerlegen.

Wenn der Ablenkungsversuch mit einem grundsätzlich tatsächlich wichtigen Thema startet, kann man die Wichtigkeit dieses Themas auch explizit anerkennen. Wichtig ist jedoch, dass man sich nicht vom eigentlichen Argument ablenken lässt. Gegebenenfalls kann man dazu anbieten, über das andere Thema zu einem späteren Zeitpunkt zu reden.

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