Green Solutions Juni: Nashörner in Mosambik, erster Solarpark in Liberia, Mangroven kehren zurück

von Frederik Mallon | 1. Juli 2026 | Forschung

Die Green Solutions präsentieren euch monatlich gute Neuigkeiten aus verschiedenen Bereichen, die den Klima- und Umweltschutz betreffen. In diesem Format geht es nicht darum, die Bedrohlichkeit des Klimawandels kleinzureden. Genauso wenig wollen wir ignorieren, dass der Schutz von Klima und Umwelt weiterhin hinter der Zerstörung derselben zurückbleibt. Es ist aber auch wichtig, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass der Einsatz für Klima- und Umweltschutz Fortschritte erzielt. Sonst droht die gesamte Gesellschaft, in Fatalismus und Zynismus zu versinken. Die Green Solutions konzentrieren sich deshalb auf Meldungen, die tatsächlich „Lösungen“ sind – also echter Fortschritt.

Green Solutions bei der Stromerzeugung:

Der Ausbau der erneuerbaren Energien spart spanischen Verbraucher:innen laut eines neuen Berichts des Energie-Thinktanks Ember im Monat 10 €. Demnach trennte sich Spanien durch den starken Ausbau der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren immer mehr von der Abhängigkeit vom Gas. Von Januar bis Mai 2026 war Gas nur noch in 9 % der Stunden entscheidend für den Strompreis. 2021 waren es noch 52 %. Damit konnte Spanien auch den Preisspitzen durch den US-israelischen Krieg im Iran größtenteils aus dem Weg gehen.

Liberia hat seinen ersten Solarpark ans Netz angeschlossen. Die Anlage mit einer Nennleistung von 20 MW befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Mount Coffee-Wasserkraftwerk. Für einen Ausbau auf 30 MW Leistung sind bereits Gelder von der Weltbank zugesagt.

Auch in den USA steigt der Anteil erneuerbarer Energien am Stromnetz weiter an. Im Mai wurde laut einem Ember-Bericht erstmals in der Geschichte des Landes mehr Strom durch Solar- als durch Kohlekraftwerke erzeugt. Damit ist Solar anteilsmäßig erstmals die drittwichtigste Quelle für elektrischen Strom, nach Gas und Atom. Gleichzeitig sank der Kohlestrom-Anteil seit Mai 2021 von 19,7% auf nur noch 12,2 % in diesem Jahr.

Bereits im April berichteten wir, dass in den USA alle erneuerbaren Energien gemeinsam (also neben Solar auch Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse) Gas bei der Stromerzeugung überholt hatten:

Green Solutions fürs Stromspeichern:

In der Atacama-Wüste ging im Juni ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 3,5 GWh ans Netz. Nach Angaben des Betreibers handelt es sich beim Batteriespeicher Elena damit um den bislang größten auf dem amerikanischen Doppelkontinenten.

Green Solutions in der Umweltpolitik:

Kolumbien hat im Juni ein Gesetz verabschiedet, welches sicherstellen soll, dass Rindfleisch nicht mehr aus Zuchtbetrieben kommt, die abgeholzte Gebiete als Weiden nutzen. Die Viehwirtschaft gilt als einer der wichtigsten Treiber hinter der Abholzung in Kolumbien. Laut dem kolumbianischen Verband der Landwirte Fedegán lebten im vergangenen Jahr fast 30 Millionen Rinder und Büffel im Land.

Mit dem neuen Gesetz müssen Unternehmen, die Fleisch in die EU exportieren wollen, jetzt nachweisen, dass ihre Tiere nicht auf Weiden grasen, die durch Abholzung entstanden sind. Die Behörden können darüber hinaus auch bessere Maßnahmen zur Überwachung von Gebieten erlassen, in denen Abholzung stattfindet. Naturschutzbündnisse vor Ort sehen in dem Gesetz eine Chance auf großen Fortschritt im Kampf gegen die Abholzung.

Green Solutions aus der Justiz:

In Frankreich entschied erstmals ein Gericht, dass Konzerne auch für die Klimafolgen ihrer Geschäfte verantwortlich sind. Vier NGOs hatten das Energieunternehmen TotalEnergies verklagt. Sie beriefen sich dabei auf das französische Sorgfaltspflichtgesetz. Das Gesetz verpflichtet Unternehmen dazu, ihre Geschäfte auf Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden zu überprüfen und diese zu verhindern. Nun stellte das Gericht in Paris klar, dass auch Klimafolgen darunterfallen, was von TotalEnergies zunächst angezweifelt worden war. Der Experte für Umweltrecht Sébastien Duyck bezeichnet dieses Urteil als „key legal path to corporate accountability“.

Green Solutions beim Umweltschutz:

Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Science zeigt, dass der jahrzehntelange weltweite Rückgang der Mangrovenwälder gestoppt und zuletzt sogar umgekehrt ist. Demnach wuchsen die Bestände seit 2010 wieder und haben bis 2023 den Stand von 1984 wieder erreicht.

Mangroven gelten als wichtiger Lebensraum für Meeresbewohner. Sie bieten insbesondere jungen Fischen, Krebsen und Garnelen Schutz und haben damit auch große Bedeutung für viele Menschen, die vom Fischfang leben. Darüber hinaus schützen sie mit ihren komplexen Wurzelsystemen die Küsten vor Stürmen, Überschwemmungen und Erosion.

Besonders stark kehrten Mangroven zuletzt in Südostasien zurück. Laut den Autor:innen der Studie ist der Erfolg allerdings nicht unbedingt den Anpflanzungsprojekten der vergangenen Jahrzehnte zu verdanken. Stattdessen heben sie die Fähigkeit der Mangrovenwälder, sich auf Wattgebieten auszubreiten, hervor. Um die weitere Rückkehr der Mangrovenwälder zu unterstützen, sollten Schutzprojekte sich demnach darauf konzentrieren, natürliche Entstehungsprozesse von Wattgebieten nicht zu behindern.

In Brasilien ging die Abholzung der Wälder erneut zurück. Im Vergleich zu 2024 schrumpfte die abgeholzte Fläche laut einem Bericht [PDF] von MapBiomas im vergangenen Jahr um 21 %. Besonders stark war der Rückgang in den Gebieten der indigenen Bevölkerung sowie in Schutzgebieten. Bereits im vergangenen Jahr berichteten die Green Solutions über den starken Rückgang der Abholzung im Amazonas-Gebiet. Der Bericht zeigt nun, dass dieser Rückgang auch in anderen Wäldern Brasiliens beobachtet wird.

Französisch-Polynesien hat nun 30 % seiner Meeresfläche unter vollständigen Schutz gestellt. 1,4 Millionen km² an Meeresgebiet sind damit vor Tiefseebergbau oder Fischfang im industriellen Maßstab geschützt. In einigen Gebieten gelten aus Rücksicht auf die lokale Fischerei Ausnahmen, die sich allerdings nur auf kleine Boote und Angeln mit einzelnen Ruten beschränken.

Green Solutions beim Tier- und Artenschutz:

Breitmaul- und Spitzmaulnashorn kehren nach Mosambik zurück. Nachdem beide Arten in den 1990er Jahren in Folge des Bürgerkriegs in Mosambik ausgestorben waren und 2013 ein erster Wiederansiedlungsversuch durch Wilderei scheiterte, hat jetzt ein erneutes Wiederansiedlungsprojekt eine stabile Population hergestellt.

Die ersten Tiere wurden bereits 2022 wiederangesiedelt, im Juni konnte das Projekt nun vorerst abgeschlossen werden. 39 Breitmaul- und 22 Spitzmaulnashörner sind nun im Zinave-Nationalpark wiederangesiedelt. Als besonderer Meilenstein zu einer stabilen Population gilt auch, dass bereits 5 Nashornkälber im Nationalpark geboren wurden.

Artikelbild: Bild: Wikimedia Commons / ryan harvey, CC BY-SA 2.0

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